ECL 8 -Elite


Die Pause war kurz: Nicht einmal vier Wochen nach dem Pro-Titelgewinn in der ECL 7, begann bereits in der zweiten Januarwoche die achte ECL-Saison. Von nun an hatten wir, der Deadly Phantoms HC, das Privileg auf regelmäßige Vergleiche mit den besten Teams Europas, da wir durch die Meisterschaft in der zweithöchsten Spielklasse das Ticket für die Elite-Division auf der Plattform www.nhlgamer.com gelöst hatten. Trotz des begrenzten Urlaubs, der eine mehrwöchige Titelfeier in "Ovi-Manier" leider verhinderte, bestand eine riesige Vorfreude auf die neue Herausforderung. Eine gehörige Portion Nervosität durfte natürlich auch nicht fehlen. Uns allen war bewusst, dass wir unser Bestes geben müssen, um auf diesem hohen Niveau mithalten zu können. Wir entschieden uns auf einen kleineren Kader umzustellen, um durch Kontinuität und eine verbesserte Eingespieltheit die letzten Prozente unseres Leistungsvermögens abzurufen. Eine Vorbereitung auf die Saison war eigentlich nicht vorhanden, da durch die Feiertage und den angesprochenen Urlaub kaum Zeit blieb. Wenn gespielt wurde, dann mit wildem Lineup. Hinzu wurden wir freitags vor Saisonstart geschockt, als Stammtorhüter Patrick (RPH_31) uns informierte, dass er aus persönlichen Gründen für unbestimmte Zeit ausfällt. Ein Nackenschlag, den es erstmal zu kompensieren galt. Es wurde ein Last-Minute Gesuch ausgeschrieben, wobei man aber auch zu jedem potenziellen Neuzugang ehrlich war: Sollte Patrick wieder da sein, steht dieser zwischen den Pfosten. Eine schwierige Situation für alle Beteiligten. Es war wieder einmal (das eigentlich inaktive) Urgestein Fynn (willywonkaaa), der sich bereit erklärte, für den Saisonstart auszuhelfen und begann gleich mit der Suche nach seinem Equipment – war sein letzter Einsatz mit Maske noch zum Süßigkeiten klauen an Halloween.

Als ob die Umstände dem Zufallsgenerator bekannt waren, bescherte uns der Spielplan in der ersten Woche „nur“ die Bucketeers (2:3 OT, 2:1) und Synergy Hockey (3:2 OT, 1:3). Beide Gegner waren zusammen mit uns aufgestiegen, beide hatten wir Wochen zuvor in den Playoffs besiegt. Bekannte Gesichter trafen aufeinander und man ging frohen Mutes in die Spiele. Man merkte uns jedoch an, dass alle Beteiligten ein wenig Rost angesetzt hatten und der Druck, gleich von Beginn performen zu wollen doch auf uns einwirkte. Wir nahmen von 8 möglichen Zählern 5 mit. Das war zwar kein schlechter Beginn, dennoch hatten wir uns bei diesen Gegnern mehr ausgerechnet. Für die Clubführung war das oberste Ziel erstmal der direkte Klassenerhalt. Hierfür musste man eigentlich gerade gegen diese Gegner, so wenig Punkte wie möglich liegen lassen.

Zu unserem Glück war Patrick nach dieser Woche wieder voll einsatzfähig und hochmotiviert. Die Gegner in Woche zwei waren die Unlucky Boys HC (1:2, 2:0), AIK Hockey (4:1, 4:1) und Vorjahresfinalist Symphony (1:2 OT, 1:2). Während man gegen UB klar besser war, es jedoch verpasste mehr aus seinen Chancen zu machen und letztlich „amateurhaft“ ausgekontert wurde, holte man gegen AIK Hockey, das erste schwedische eSports Team, zum ersten Mal vollkommen verdient die komplette Punkteausbeute. Der Vizemeister Symphony zeigte uns jedoch deutlich die Grenzen auf, den einen Punkt nahmen wir aber natürlich gerne mit.

Auf Woche 3 waren alle gespannt – man traf auf die Favoriten der Saison: Den amtierenden Meister FILADELPHIA, sowie das ewige Topteam Written In The Stars. Keine einfache Woche, die zudem noch mit den Partien gegen Butterfly Effect (0:1, 2:1 OT) und Team Frosty (1:2, 1:0) begann. Wie einigen sicher bekannt ist, herrscht zwischen den Phantoms und FILA ein doch etwas besonderes Verhältnis, sodass auf beiden Seiten jeder Spieler bis in die Haarspitzen motiviert war. Etwas absurd war der Ausgang der Spiele, jedoch vollkommen verdient – wir holten 4 Punkte (2:1, 3:1) gegen den Vorjahresmeister und waren endlich in der Elite angekommen! Angekommen – wirklich? SKY brachte uns mit 9 Gegentoren in 2 Spielen (1:2, 0:7) und einer Machtdemonstration auf den Boden der Tatsachen zurück.

18 Spiele waren gespielt, wir standen bei 18 Punkten – recht solide. Ein Blick auf die Tabelle war aber kein beruhigender, jedoch auch einer, der unsere Hoffnung nach mehr fütterte. Von Platz 5-15 war noch alles möglich. Playoffs? No man's land? Relegation? Abstieg? Alles noch möglich, das Restproramm war jedoch auch kein einfaches.

Woche 4 stand man den etablierten Elite Teams Rusty Blades und Dynasty gegenüber. Jeder Punkt war wichtig und wir holten gegen Rusty 2 (3:1, 1:5), sowie gegen das Team mit dem speziellen Playbook 4 (2:0,2:1). Also alles gut im Staate Dänemark? Naja, die Konkurrenz hatte auch gepunktet, wirklich bewegt hatte man sich in der Tabelle nicht. Der Abstieg war jedoch fast vom Tisch, aber man hatte durch diese gute Woche Blut geleckt – wir wollten mehr – Playoffs!

Hierfür mussten wir in der letzten Woche der regulären Saison noch einmal alles in die Waagschale werfen und so viele Punkte wie möglich holen. Wir begannen mit einem ordentlichen Dämpfer – nur ein Punkt in den Spielen gegen die Northern Stars (2:3 OT, 0:2), die Stimmung war getrübt. Doch dann kamen zwei Siege gegen bereits altbekannte Pro-Kollegen von Resurrection (2:0, 1:0 OT), bei denen wir auch wieder in unseren alten Spielrhythmus kamen und unser System etablierten. Noch war die Endrunden-Teilnahme nicht sicher, aber immerhin hatten wir uns eine ordentliche Ausgangsposition verschaffen. Der Blick nach oben war nicht verwerflich. Es folgte ein denkwürdiger Abend – wir begannen ihn mit zwei zähen Siegen gegen den sicheren Absteiger HC Wildcard (3:0, 5:1) und so kam es zum alles entscheidenden Duell gegen Almost Famous. Jedoch nicht für uns, sondern für aF! Wir waren bereits sicher qualifiziert, die beinahe Berühmten brauchten zwei Punkte für Platz 8 und die damit verbundene Playoff-Qualifikation. Diesen Platz hatten die Northern Stars inne, deren beispielloses Comeback mit tragischem Hintergrund sicherlich die emotionalste Story dieser Spielzeit war. Mit purer Dominanz (5:0,3:0) holten wir uns die letzten 4 Punkte ab und sowohl wir als auch die Northern Stars waren für die Playoffs qualifiziert. Auch an dieser Stelle nochmal alles Gute und hoffentlich schnelle und komplette Genesung an Floor!

Wir haben uns in unserer Debüt-Saison also für die geilste Zeit der Saison qualifiziert – und das nicht glücklich auf Rang 8 oder 7, sondern auf Platz 4 - Heimrecht in den Playoffs in der ersten Elite-Saison. WOW, unfassbar. Damit hat niemand von uns gerechnet, damit hat überhaupt niemand gerechnet.

Wir trafen im Viertelfinale auf Dynasty, die mit einem altbekannten Phantom antraten – Reto (Haldeem), der seit Jahren die Elite mit Toblerone unsicher macht und einer der beliebtesten Community-Mitglieder ist. Was eine Schule mit den Lehrern Stefan (The_Rayman80) und Sören (doksdel) aus einem machen kann…sind wir froh, dass er es trotz allen Widerständen zu etwas gebracht hat. Am ersten Abend stand er uns auch direkt auf dem Eis gegenüber und musste dabei zusehen, wie die Männer in Schwarz und Rot jubelnd von dannen zogen. Es war zwei Mal Simon (Playmaker1010), der uns mit zwei schnellen Treffern zur 2:0-Serienführung (3:2 OT, 2:1 OT) schoss. Was bereits vor der Serie klar war, wurde hier bestätigt: Es wird eine verdammt enge Serie mit viel Defensiveishockey, starkem Nervenverschleiss und man musste noch etwas mitbringen: Zeit, viel, viel Zeit. Nach diesem optimalen Start trat Reto aus dem Scheinwerferlicht um zum Wohle des Teams nicht alle Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Es half, leider: Dynasty glich die Serie am zweiten Abend aus. Wir waren nicht in der Lage ein Tor zu erzielen, es schien wie vernagelt. Mit 0:2 und 0:1 hatten wir nun leider eine best-of-three Serie, der Druck in Spiel 5 war dementsprechend hoch.

Nach einem Monstersave des gegnerischen Torhüters erzielten die Männer in Lila das doch für uns unglückliche 0:1 in der Verlängerung. Nun standen wir mit dem Rücken an der Wand, Siegen oder Fliegen, do or die, Halbfinale oder Urlaub. Wir starteten so, wie man es sich nicht erhoffte: nach Drittel eins lagen wir 0:1 zurück. Eine Hypothek, die gerade nach den drei torlosen Spielen zuvor doch schwer aufs Gemüt drückte. Doch konnten wir diese im dritten Drittel durch Simon begleichen. So ging das vierte von sechs Spielen in die Verlängerung und es musste jedem bewusst sein, dass nun jeder Fehler das Aus bedeuten würde. Doch wir rauften uns zusammen, die Kommunikation war wasserfallartig, der Zusammenhalt beispiellos. Es bedurfte 6 (!!!) Verlängerungen, um einen Sieger zu finden – und das waren wir! Tim (Tim_FlyersFan) war der Held, der uns ins finale Spiel 7 schoss, würgte, arbeitete…ganz egal. Im entscheidenden Match waren wir das bestimmende Team, wir drückten, wir probierten, jedoch schafften wir es nicht den Puck über die Linie zu drücken – und wenn du vorne die Dinger nicht rein machst, ist das Schicksal manchmal eben wirklich ein mieser Verräter. Maxi (gzell60) mit einem bitterbösen Fehler nach überragender Saison, ein Stürmer von Dynasty auf und davon – 0:1, 10 Sekunden vor der Sirene in Drittel 3 – der Genickbruch.

Die Lichter waren aus, die Messe gelesen, jedoch hängen die Schultern nicht. Wir sind stolz auf diese eine Overtime, wir sind stolz auf diese Serie, wir sind stolz auf die Saison, wir sind stolz auf unser Team! Eine bravouröse Debüt-Saison haben die Deadly Phantoms abgeliefert und haben Hunger auf mehr!